Schlagwort: Russland

Mäusespeck oder Homeschooling auf Russisch (Teil 2)

Knapp zwei Monate sind nun seit der Schuleinführung vergangen. Bisheriges Fazit: Der Älteste hat sich gut in die Gruppe von Nicht-Schulgängern bei den „Marshmallows“ eingefügt, und der Ehemann kann in seinem Lebenslauf unter Arbeitserfahrung „Privatchauffeur“ hinzufügen.

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Reklame einer (Online-)Privatschule in Sankt Petersburg.  Ihr Slogan lautet: „In die Schule gehen, ohne das Haus zu verlassen“

 

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Mäusespeck oder Homeschooling auf Russisch (Teil 1)

Wer hätte das gedacht: In Russland gibt es keine Schulpflicht! Statt in die 1. Klasse einer normalen Grundschule zu gehen, darf seit dem 1. September unser Ältester mit uns das System „Lernen in der Familie“ (semejnoe obrazovanie) bzw. Homeschooling ausprobieren.

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Janka Partisanka oder Stand-up-Comedy in Russland

Ich bin jetzt Stand-upperin oder Komikerin oder Comedian. Weil ich der Midlife-Crisis lieber zuvorkomme. Weil ich ja schon immer was richtig Cooles machen wollte. Und bei Hip-Hop und Rap den Anschluss verpasst habe. Und bei Breakdance und Skateboard. Und bei Parkour. Und bei Stand-up muss man ja nur rumstehen. Weil ich finde, dass Humor eine feine Sache ist. Und weil früher das Leben viel lustiger war. Aber weil jammern ja nicht hilft. Und nun bin ich also die deutsche Stand-up-Hoffnung in Russland. Also vermutlich die einzige Deutsche, die Comedy auf Russisch macht… Es heißt ja immer, den unique selling point finden oder? Und ich hatte schon drei Auftritte! So richtig mit Zuschauern. Jetzt muss ich aber erst mal eine kreative Pause machen und lernen, mit dem ganzen Ruhm umzugehen.

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Die Jungs in Stavropol brauchten dringend weibliche Verstärkung

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Zweimal Ostern oder Zwischen Schule, Krankenhaus und Sportplatz

Irgendwie kam das deutsche Ostern dieses Jahr etwas plötzlich. Und eine Woche später gleich das orthodoxe Ostern. Zum Innehalten kamen wir an keinem der beiden Osterfeste. Und das lag nicht nur daran, dass es in Russland keinen zusätzlichen Feiertag zum orthodoxen Ostersonntag gibt.

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Kulitsch, der traditionelle Osterkuchen mit Glasur

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Zugfahren

Ich liebe Zugfahren in Russland. Nicht wegen des Hühnchens und dem Wodka, mit denen der ausländische Reisende sofort von seinen Reisenachbarn bewirtet wird. Auch nicht wegen der geräucherten Fische, selbstgemachten Piroggen und den eingelegten Tomaten, die den Reisenden bei längeren Aufenthalten an Provinzbahnhöfen von Babuschkas verkauft werden. Irgendwie esse ich auf Reisen einfach nicht mehr so viel wie früher, vom Trinken ganz zu schweigen.

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Bahnhof in Wolgograd

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Feiern mit Lenin

Keine Party ohne ihn. Still im Hintergrund, von allen scheinbar unbemerkt und doch mit stolzem Blick, eine Hand kraftvoll erhoben, wacht er über allen öffentlichen Feierlichkeiten. So als wolle er sagen, macht euer Ding, mich hat man in den 90ern nicht gestürzt, ich werde noch so einige Jahreswechsel mit euch feiern! Der unsterbliche Lenin eben.

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Lenin in Stavropol

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Lebende Unterschriften. Ein Drama in sechs Nachrichten

Geschichten, die das Leben schreibt, findet man heutzutage hauptsächlich in den eigenen WhatsApp-Sprachnachrichten. In diesem Beitrag habe ich eine exklusive Auswahl für die geneigte Leserschaft transkribiert. Es geht um Rap, Kriminalität und Kosmetik, aber natürlich auch um Geld. Tagegeld.

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Sonntagsspaziergang. Unpolitisch

Es ist heiß in der Sonne, doch der Schatten überzieht meine nackten Arme sofort mit Gänsehaut. Ich weiß nicht so richtig, wohin. Die Putzfrau mit dem blaugrauen Wischlappen scheint merkwürdig unberührt von derartigen existenzialistischen Fragen. Dabei passt sie so gar nicht zu den sterilen Neubauten der ebenfalls neu gestalteten Fußgängerzone. Sie wischt die Gehwegsplatten tatsächlich mit ihrem Schrubber aus Sowjetzeiten: einem Holzbalken an einem Holzstab, mit einem Lappen umwickelt.

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Zwischen den Welten

Sommer in Deutschland. Juli in Jena. Auf dem Hinflug dachte ich über kulturelle Unterschiede nach. Unser Jüngster verschlief den innerrussischen Flug. Von Moskau nach Berlin gelang ihm das weniger gut und er schimpfte ziemlich laut und anhaltend. Vor dem Bordklo wurde mein Mann dann von einer Frau im mittleren Oma-Alter auf Russisch angesprochen: „Ist das Ihr Kind, das die ganze Zeit schreit? Ich würde mit ihm sofort zum Arzt gehen. Das ist doch nicht normal.“ Hatt ich´s doch gewusst. Die russische Babuschka ist immer im Einsatz; Kindererziehung ist eben eine kollektive Angelegenheit in Russland!  Wie gut, dass uns in der nächsten Zeit wohltuende Gleichgültigkeit oder zumindest eine höfliche Distanz erwarten würde. Überhaupt: Alles würde wieder vertraut und ganz anders als in Russland sein.

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