Schlagwort: Humor

Janka Partisanka oder Stand-up-Comedy in Russland

Ich bin jetzt Stand-upperin oder Komikerin oder Comedian. Weil ich der Midlife-Crisis lieber zuvorkomme. Weil ich ja schon immer was richtig Cooles machen wollte. Und bei Hip-Hop und Rap den Anschluss verpasst habe. Und bei Breakdance und Skateboard. Und bei Parkour. Und bei Stand-up muss man ja nur rumstehen. Weil ich finde, dass Humor eine feine Sache ist. Und weil früher das Leben viel lustiger war. Aber weil jammern ja nicht hilft. Und nun bin ich also die deutsche Stand-up-Hoffnung in Russland. Also vermutlich die einzige Deutsche, die Comedy auf Russisch macht… Es heißt ja immer, den unique selling point finden oder? Und ich hatte schon drei Auftritte! So richtig mit Zuschauern. Jetzt muss ich aber erst mal eine kreative Pause machen und lernen, mit dem ganzen Ruhm umzugehen.

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Die Jungs in Stavropol brauchten dringend weibliche Verstärkung

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Planbarkeit und Pünktlichkeit

In Russland gibt es zwei Phänomene, die Menschen mit einem ausgeprägten Sinn für Organisation und Pünktlichkeit regelmäßig an den Rand des Herzinfarkts bringen.

1) Im Voraus zu planen ist unmöglich. 2) Dass etwas pünktlich beginnt, höchst unwahrscheinlich.

Um nicht vorzeitig zu altern oder seine Gesundheit aufs Spiel zu setzen, sollte man sich also anpassen. Das klappt mal mehr, mal weniger gut.

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Zweimal Ostern oder Zwischen Schule, Krankenhaus und Sportplatz

Irgendwie kam das deutsche Ostern dieses Jahr etwas plötzlich. Und eine Woche später gleich das orthodoxe Ostern. Zum Innehalten kamen wir an keinem der beiden Osterfeste. Und das lag nicht nur daran, dass es in Russland keinen zusätzlichen Feiertag zum orthodoxen Ostersonntag gibt.

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Kulitsch, der traditionelle Osterkuchen mit Glasur

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Zugfahren

Ich liebe Zugfahren in Russland. Nicht wegen des Hühnchens und dem Wodka, mit denen der ausländische Reisende sofort von seinen Reisenachbarn bewirtet wird. Auch nicht wegen der geräucherten Fische, selbstgemachten Piroggen und den eingelegten Tomaten, die den Reisenden bei längeren Aufenthalten an Provinzbahnhöfen von Babuschkas verkauft werden. Irgendwie esse ich auf Reisen einfach nicht mehr so viel wie früher, vom Trinken ganz zu schweigen.

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Bahnhof in Wolgograd

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My Döner oder An manchen Tagen

Ich klopfe gegen die Tür. Auf der anderen Seite sind Kinderstimmen zu hören. Die Kindergärtnerin öffnet und die Kinder rennen jubelnd auf mich zu. „Mama! – Oh, Wo ist Papa?!“ Kommt gleich, sage ich knapp. Die Großen gehen wieder zurück zu ihrem Spiel. Ich sollte vielleicht öfter mal die Kinder abholen. Der Jüngste zieht fordernd an den Bändern meines Rucksacks. Ich ahne es bereits. „Nein, da sind nur Unisachen drin“, erkläre ich und huste.

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Feiern mit Lenin

Keine Party ohne ihn. Still im Hintergrund, von allen scheinbar unbemerkt und doch mit stolzem Blick, eine Hand kraftvoll erhoben, wacht er über allen öffentlichen Feierlichkeiten. So als wolle er sagen, macht euer Ding, mich hat man in den 90ern nicht gestürzt, ich werde noch so einige Jahreswechsel mit euch feiern! Der unsterbliche Lenin eben.

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Lenin in Stavropol

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Das Babuschka-Phänomen

Da steht sie wieder in der Tür. Ihre laute Stimme hallt durch unseren langen Flur: „Priiiiivet! Kommt schnell her, Kinder, eure Babuschka begrüßen! Und dann schauen wir, was sie alles mitgebracht hat!“ Neben ihr thront eine riesige karierte Tasche aus robustem Kunststoff. Die Kinder rennen zur Wohnungstür, lassen sich abknutschen und ziehen an der Tasche, die keiner von uns auch nur annähernd anheben kann.

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Lebende Unterschriften. Ein Drama in sechs Nachrichten

Geschichten, die das Leben schreibt, findet man heutzutage hauptsächlich in den eigenen WhatsApp-Sprachnachrichten. In diesem Beitrag habe ich eine exklusive Auswahl für die geneigte Leserschaft transkribiert. Es geht um Rap, Kriminalität und Kosmetik, aber natürlich auch um Geld. Tagegeld.

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Teil 2: Der 9. Mai in Stavropol oder Von Panzer-Kinderwägen, Männern mit Bärten und dem „unsterblichen Regiment“

Der neunte Mai, frühmorgens. Schwere Wolken hängen über der Stadt und haben sich vorsorglich die besten Plätze für die Militärparade gesichert. Ein weiterer Blick aus dem Fenster macht klar: Es wird einen Massenkampf der Schirme geben. Wenigstens wäscht der penetrante Dauerregen den beißenden Farbgeruch aus der Innenstadt. Wer im Frühling schon mal in Russland war, kennt die Szene: Überall werden Zäune, Spielplätze, Bänke und Laternenpfähle gestrichen. Schön über die dicke Schmutzschicht, unter der die Farbe vom letzten Jahr sowieso kaum noch zu erkennen ist. Echte Handarbeit mit Pinsel wurde inzwischen von praktischen Farbsprühgeräten abgelöst. Im häufig windigen Stavropol verteilt sich dabei der Sprühnebel sofort unter den vorbeieilenden Passanten; aber der Sprüher ist normalerweise ausdauern und ein Teil der Farbe landet schließlich doch an ihrem Bestimmungsort. Pünktlich zum 9. Mai glänzt die Stadt. Dieses Jahr nur leider nicht im Sonnenlicht.

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Teil 1: Mai in Stavropol oder Zwischen Schaschlyki, Sonnenblumenkernen und Pizza

Mai in Stavropol. Tief durchatmen, denn über die Feiertage hat die Menge der Autos auf den Straßen unerwartet abgenommen. Kurz innehalten und dem Zwitschern der Vögel lauschen und beim Blick in die Bäume feststellen, dass das zarthelle Grün das Sonnenlicht besonders schön reflektiert. Bei plötzlich fast 30 Grad fühlt sich die dünne Kleidung auf der Haut ungewohnt leicht und befreiend an. Überall blühen Tulpen in den öffentlichen Grünanlagen und die Springbrunnen haben ihren perligen Wassertanz begonnen.

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