Autor: russischeprovinz

Zugfahren

Ich liebe Zugfahren in Russland. Nicht wegen des Hühnchens und dem Wodka, mit denen der ausländische Reisende sofort von seinen Reisenachbarn bewirtet wird. Auch nicht wegen der geräucherten Fische, selbstgemachten Piroggen und den eingelegten Tomaten, die den Reisenden bei längeren Aufenthalten an Provinzbahnhöfen von Babuschkas verkauft werden. Irgendwie esse ich auf Reisen einfach nicht mehr so viel wie früher, vom Trinken ganz zu schweigen.

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Bahnhof in Wolgograd

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My Döner oder An manchen Tagen

Ich klopfe gegen die Tür. Auf der anderen Seite sind Kinderstimmen zu hören. Die Kindergärtnerin öffnet und die Kinder rennen jubelnd auf mich zu. „Mama! – Oh, Wo ist Papa?!“ Kommt gleich, sage ich knapp. Die Großen gehen wieder zurück zu ihrem Spiel. Ich sollte vielleicht öfter mal die Kinder abholen. Der Jüngste zieht fordernd an den Bändern meines Rucksacks. Ich ahne es bereits. „Nein, da sind nur Unisachen drin“, erkläre ich und huste.

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Feiern mit Lenin

Keine Party ohne ihn. Still im Hintergrund, von allen scheinbar unbemerkt und doch mit stolzem Blick, eine Hand kraftvoll erhoben, wacht er über allen öffentlichen Feierlichkeiten. So als wolle er sagen, macht euer Ding, mich hat man in den 90ern nicht gestürzt, ich werde noch so einige Jahreswechsel mit euch feiern! Der unsterbliche Lenin eben.

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Lenin in Stavropol

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Das Babuschka-Phänomen

Da steht sie wieder in der Tür. Ihre laute Stimme hallt durch unseren langen Flur: „Priiiiivet! Kommt schnell her, Kinder, eure Babuschka begrüßen! Und dann schauen wir, was sie alles mitgebracht hat!“ Neben ihr thront eine riesige karierte Tasche aus robustem Kunststoff. Die Kinder rennen zur Wohnungstür, lassen sich abknutschen und ziehen an der Tasche, die keiner von uns auch nur annähernd anheben kann.

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Lebende Unterschriften. Ein Drama in sechs Nachrichten

Geschichten, die das Leben schreibt, findet man heutzutage hauptsächlich in den eigenen WhatsApp-Sprachnachrichten. In diesem Beitrag habe ich eine exklusive Auswahl für die geneigte Leserschaft transkribiert. Es geht um Rap, Kriminalität und Kosmetik, aber natürlich auch um Geld. Tagegeld.

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Sonntagsspaziergang. Unpolitisch

Es ist heiß in der Sonne, doch der Schatten überzieht meine nackten Arme sofort mit Gänsehaut. Ich weiß nicht so richtig, wohin. Die Putzfrau mit dem blaugrauen Wischlappen scheint merkwürdig unberührt von derartigen existenzialistischen Fragen. Dabei passt sie so gar nicht zu den sterilen Neubauten der ebenfalls neu gestalteten Fußgängerzone. Sie wischt die Gehwegsplatten tatsächlich mit ihrem Schrubber aus Sowjetzeiten: einem Holzbalken an einem Holzstab, mit einem Lappen umwickelt.

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Auf der Suche nach dem perfekten Kindergarten

Fröhliche, ausgeglichene Kinder, die zufrieden in der Natur spielen und abends ihren Eltern aufgeweckt von ihrem interessanten Tag im Kindergarten erzählen. Entspannte Eltern, die wissen, dass ihr Nachwuchs in der Einrichtung bestens versorgt ist und dass sie eine derartig gute Betreuung selbst gar nicht leisten können und deshalb tagsüber ohne schlechtes Gewissen ihrer Arbeit nachgehen können. So oder so ähnlich hatten wir uns das bereits letztes Jahr vorgestellt, als wir in Stavropol ankamen. Doch die Suche nach dem perfekten Kindergarten war schwierig, und selbst als wir ihn bereits gefunden hatten, mussten wir uns erneut umsehen. (Achtung: Der Beitrag ist aufgrund der Komplexität des Themas etwas länger. Lesepausenempfehlung beachten.)

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Aus einer Werbeanzeige für private frühkindliche Förderung

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Auf der anderen Seite des Kaukasus – Urlaub in Georgien

Nach einem Sommer in Russland und in Deutschland ist es für uns nun Zeit, uns den Kaukasus drei Wochen lang von seiner Südseite anzuschauen. Wir machen uns also auf nach Georgien, dem unbekannten Nachbarland, um wieder ein wenig zu staunen.

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Zwischen den Welten

Sommer in Deutschland. Juli in Jena. Auf dem Hinflug dachte ich über kulturelle Unterschiede nach. Unser Jüngster verschlief den innerrussischen Flug. Von Moskau nach Berlin gelang ihm das weniger gut und er schimpfte ziemlich laut und anhaltend. Vor dem Bordklo wurde mein Mann dann von einer Frau im mittleren Oma-Alter auf Russisch angesprochen: „Ist das Ihr Kind, das die ganze Zeit schreit? Ich würde mit ihm sofort zum Arzt gehen. Das ist doch nicht normal.“ Hatt ich´s doch gewusst. Die russische Babuschka ist immer im Einsatz; Kindererziehung ist eben eine kollektive Angelegenheit in Russland!  Wie gut, dass uns in der nächsten Zeit wohltuende Gleichgültigkeit oder zumindest eine höfliche Distanz erwarten würde. Überhaupt: Alles würde wieder vertraut und ganz anders als in Russland sein.

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Fußball in Stavropol? Es geht um die Wurst!

Die Fußballweltmeisterschaft im größten Land der Welt! Live in immerhin zehn Austragungsorten, davon drei in relativer Nähe bei uns im Süden (Wolgograd, Sotschi und Rostow-am-Don)! Wir fahren da aber nicht hin. In Wolgograd herrscht zurzeit Mückenplage, in Sotschi sind im Sommer sowieso schon so viele Touristen und in Rostow-am-Don sind die Autofahrer so rücksichtslos. Wir bleiben also lieber in Stavropol (Stawropol). Denn auch bei uns sieht man nur noch Fußball. Vielleicht nicht so direkt, aber wer suchet, der findet.
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