Weiß wie Schnee. Eine Politthrillerkomödie

Wir sind in den Bergen. Dieses Mal im „Prielbrusje“, dem Gebiet um den höchsten Berg Europas, den Elbrus (5642 m). Wir haben eine kleine Hütte im rustikalen Ethnostil. Um uns herum jede Menge Schnee, die Kinder sind begeistert, rodeln auf ihren Schneeringen, bauen Festungen… Dann die Nachricht von Katja aus Stavropol im Chat: Vor ihrer Tür stehen drei Männer in Zivil und der Revierpolizist ihres Viertels; sie solle sofort aufmachen! Gegen sie wird wegen Falschgeld ermittelt.

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Stand-up in Moskau

Vor mir liegen zwei Wochen Stand-up-Auftritte in der russischen Hauptstadt, im märchenhaft schönen, lichtergeschmückten Moskau, das ich hauptsächlich in der dunklen Tageshälfte sehen werde! Mein Weihnachtsgeschenk an mich in diesem Jahr. Danke an Babuschka, die in der Zeit die Kinderbetreuung übernimmt und an den Ehemann, der meine Stand-up-Leidenschaft ernst nimmt. Während in Deutschland das öffentliche Leben gerade komplett heruntergefahren ist, sind in Moskau lediglich die Museen und Theater über die Feiertage geschlossen. Restaurants, Klubs und Cafés müssen um 23 Uhr dicht machen. In den Geschäften wird man nur mit Maske bedient, die Mikrofone bei meinen Auftritten werden allerdings nie desinfiziert. Ich bin in einer anderen Welt, die sich trotz Corona weiterdreht. Einblicke in einen Teil der Moskauer Stand-up-Szene. (Der Jahreszeit entsprechend gibt es in diesem Text endlich das Gendersternchen *.)

Vik, mein Komikerkollege aus Moskau, und ich vor meinem Auftritt im Stand-up-House.
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Von Spiegeln, Socken und dreimal Spucken. Aberglaube in Russland

Dem Aberglauben geht es gut in der russischen Provinz. Manchmal belächelt, aber vom Aussterben weit entfernt. Selbst meine oppositionelle Freundin Katja kann sich davon nicht frei machen. Ziemlich bedrückt kam sie letztens bei mir an. In ihrer Wohnung war ein Spiegel zerbrochen und nun jammerte ihre Mutter, es würde ein Unglück geben. Und Katja litt mit, denn die letzten beiden Male, als ein Spiegel zerbrach, war auch jedes Mal etwas Schreckliches in der Verwandtschaft oder im Freundeskreis geschehen… Gut, dass Nawalny zu diesem Zeitpunkt seine Vergiftung schon hinter sich hatte.

Ein beliebter Aberglaube: Vor der Abreise z.B. in eine andere Stadt ein paar Minuten einfach schweigend sitzen, damit auf dem Weg alles glatt geht.
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Ein Wochenende am Fluss: Russische Banja, Lagerfeuer und Geselligkeit

Wir haben wieder zwei Nächte in den Bergen von Archyz mit Danila hinter uns. Danila kennt das einzige auf Russisch übersetzte Buch von Reinhold Messner auswendig. Sein Vollbart ist etwas bescheidener als der von Reinhold. Seine Touren mit uns wohl auch – wobei wir das eher nicht finden. Dieses Jahr haben wir den Berg Nadezhda (russ.: Hoffnung) erklommen, kurz vorm obligatorischen Gewitter. Mit Helmen gegen die Steinschläge. Wieder über Felsen und Geröll. Kriechend, kletternd, rutschend, springend. Bei solchen Touren redet man nicht viel. Beim Wandern ist Konzentration gefragt, in den Pausen wird Atem geschöpft und im abendlichen Zeltlager ist jeder mit Essen beschäftigt, bevor er ins Bett fällt. Was soll ich sagen? – Ich liebe es!

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Sag, wie hältst du´s mit der Opposition? Politik im Alltag

Als der Ehemann mir am Frühstückstisch mitteilt „Nawalny liegt im Koma, wahrscheinlich vergiftet“, wird mir schlecht. Scheiße. Ich fühle mich sofort ohnmächtig (gegenüber den Mächtigen) und wütend (wegen der vielen systemimmanenten Ungerechtigkeiten, die ich in meinem Alltag normalerweise nur registriere und die nun durch diese Nachricht aus mir heraus ins Bewusstsein gespült werden). Scheiße.

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Katja mit ihrem Plakat zur Unterstützung der Proteste in Belarus.

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Von der Digitalität in die Illegalität als Realität

Der dritte Monate in der Selbstisolation: Wir haben mehrfach Kontakt mit der Polizei. Ich habe mir in überwallender Naturliebe eine App zur Pflanzen- und Tiererkennung heruntergeladen, lösche sie aber wieder, nachdem sie mir bei dem Yorkshire-Terrier unserer Nachbarn „Homo sapiens“ vorschlägt. Ich wundere mich, dass es einen russischen Ausdruck für social distancing gibt. Es stellt sich aber heraus, dass „socijal`naja distancija“ hier einfach kürzere 1,5m sind. In Russland ist eben der normale zwischenmenschliche Abstand beim Geldabheben am Automaten das Kinn des Hintermenschens auf der eigenen Schulter. Und ehrlich gesagt, fühl ich mich wohler, wenn derjenige dann nicht in Maske ist.

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9. Mai 2020 – Der virtuelle 75. Jahrestag des Kriegsendes in Russland

Große Erwartungen waren in die Feierlichkeiten zum 75. Jahrestag des Kriegsendes, des Endes des Großen Vaterländischen Krieges (1941-1945), am 9. Mai gesetzt worden. Doch wie so vieles musste auch die Militärparade zum Tag des Sieges verschoben werden. Man hofft zurzeit auf den September, um wenigstens dieses Ereignis nachzuholen. Auf politischer Ebene will sich Russland natürlich damit auch als militärische Großmacht demonstrieren, die sich in der Tradition des ruhmreichen Siegers im 2. Weltkrieg sieht. Für viele Menschen ist dieser Tag neben Neujahr aber tatsächlich der schönste und wichtigste Feiertag im heutigen Russland; wird doch dem zentralen Ereignis der sowjetischen und der russischen Geschichte gedacht. An was erinnert wird, ist dabei kanonisch festgelegt, für ein vielfältiges Erinnern ist in Russland kein Platz. Nicht immer wurde übrigens so fröhlich und pompös-militärisch gefeiert. Ironischerweise ist der 9. Mai ausgerechnet in diesem Jahr wieder stiller geworden.

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Ausgangssperre im arbeitsfreien April

Nun befinden wir uns im arbeitsfreien Monat. Inklusive faktischer Ausgangssperre seit dem 1. April. Nennt sich offiziell weiter „verordnete Selbstisolation“. Zurzeit wachsen die Coronafälle um etwa 15 Personen pro Tag an. Damit sind wir aktuell bei 155 Fällen für das Stavropoler Gebiet. Die Ausgangssperre drückt natürlich aufs Gemüt. Einmal kostenloses Hausarrest-für-Oppositionelle-Feeling mit dem Sonderfeature des selbstständigen Einkaufens; noch ohne elektronische Fußfessel, aber bald mit QR-Code!

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Ob es bald überall so aussieht? Posten vorm Militärkrankenhaus, bisher unbesetzt.

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Das Leben in Coronavirus-Isolation

Stavropol (Stawropol) hat es endlich in die internationale Presse geschafft. Leider mit einem sehr unrühmlichen Vorfall. Die führende Spezialisten für Infektiologie des Stavropoler Gebietes hat aus einem Kurzurlaub in Spanien den Coronavirus eingeschleppt.

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Comedy und Coronavirus

Auf zum Stand-up-Festival nach Moskau! Ich will am Casting des Fernsehsenders TNT teilnehmen. Drei Tage werden rund 1000 Stand-Up-Komiker aus ganz Russland zeigen, dass sie die neuen Stars der Show „Otkrytyj Mikrofon“ (Open Mic) sind! Aus Stavropol reisen wir auf zu acht an.

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