Das Babuschka-Phänomen

Da steht sie wieder in der Tür. Ihre laute Stimme hallt durch unseren langen Flur: „Priiiiivet! Kommt schnell her, Kinder, eure Babuschka begrüßen! Und dann schauen wir, was sie alles mitgebracht hat!“ Neben ihr thront eine riesige karierte Tasche aus robustem Kunststoff. Die Kinder rennen zur Wohnungstür, lassen sich abknutschen und ziehen an der Tasche, die keiner von uns auch nur annähernd anheben kann.

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Lebende Unterschriften. Ein Drama in sechs Nachrichten

Geschichten, die das Leben schreibt, findet man heutzutage hauptsächlich in den eigenen WhatsApp-Sprachnachrichten. In diesem Beitrag habe ich eine exklusive Auswahl für die geneigte Leserschaft transkribiert. Es geht um Rap, Kriminalität und Kosmetik, aber natürlich auch um Geld. Tagegeld.

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Sonntagsspaziergang. Unpolitisch

Es ist heiß in der Sonne, doch der Schatten überzieht meine nackten Arme sofort mit Gänsehaut. Ich weiß nicht so richtig, wohin. Die Putzfrau mit dem blaugrauen Wischlappen scheint merkwürdig unberührt von derartigen existenzialistischen Fragen. Dabei passt sie so gar nicht zu den sterilen Neubauten der ebenfalls neu gestalteten Fußgängerzone. Sie wischt die Gehwegsplatten tatsächlich mit ihrem Schrubber aus Sowjetzeiten: einem Holzbalken an einem Holzstab, mit einem Lappen umwickelt.

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Auf der Suche nach dem perfekten Kindergarten

Fröhliche, ausgeglichene Kinder, die zufrieden in der Natur spielen und abends ihren Eltern aufgeweckt von ihrem interessanten Tag im Kindergarten erzählen. Entspannte Eltern, die wissen, dass ihr Nachwuchs in der Einrichtung bestens versorgt ist und dass sie eine derartig gute Betreuung selbst gar nicht leisten können und deshalb tagsüber ohne schlechtes Gewissen ihrer Arbeit nachgehen können. So oder so ähnlich hatten wir uns das bereits letztes Jahr vorgestellt, als wir in Stavropol ankamen. Doch die Suche nach dem perfekten Kindergarten war schwierig, und selbst als wir ihn bereits gefunden hatten, mussten wir uns erneut umsehen. (Achtung: Der Beitrag ist aufgrund der Komplexität des Themas etwas länger. Lesepausenempfehlung beachten.)

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Aus einer Werbeanzeige für private frühkindliche Förderung

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Auf der anderen Seite des Kaukasus – Urlaub in Georgien

Nach einem Sommer in Russland und in Deutschland ist es für uns nun Zeit, uns den Kaukasus drei Wochen lang von seiner Südseite anzuschauen. Wir machen uns also auf nach Georgien, dem unbekannten Nachbarland, um wieder ein wenig zu staunen.

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Zwischen den Welten

Sommer in Deutschland. Juli in Jena. Auf dem Hinflug dachte ich über kulturelle Unterschiede nach. Unser Jüngster verschlief den innerrussischen Flug. Von Moskau nach Berlin gelang ihm das weniger gut und er schimpfte ziemlich laut und anhaltend. Vor dem Bordklo wurde mein Mann dann von einer Frau im mittleren Oma-Alter auf Russisch angesprochen: „Ist das Ihr Kind, das die ganze Zeit schreit? Ich würde mit ihm sofort zum Arzt gehen. Das ist doch nicht normal.“ Hatt ich´s doch gewusst. Die russische Babuschka ist immer im Einsatz; Kindererziehung ist eben eine kollektive Angelegenheit in Russland!  Wie gut, dass uns in der nächsten Zeit wohltuende Gleichgültigkeit oder zumindest eine höfliche Distanz erwarten würde. Überhaupt: Alles würde wieder vertraut und ganz anders als in Russland sein.

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Fußball in Stavropol? Es geht um die Wurst!

Die Fußballweltmeisterschaft im größten Land der Welt! Live in immerhin zehn Austragungsorten, davon drei in relativer Nähe bei uns im Süden (Wolgograd, Sotschi und Rostow-am-Don)! Wir fahren da aber nicht hin. In Wolgograd herrscht zurzeit Mückenplage, in Sotschi sind im Sommer sowieso schon so viele Touristen und in Rostow-am-Don sind die Autofahrer so rücksichtslos. Wir bleiben also lieber in Stavropol (Stawropol). Denn auch bei uns sieht man nur noch Fußball. Vielleicht nicht so direkt, aber wer suchet, der findet.
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Teil 2: Der 9. Mai in Stavropol oder Von Panzer-Kinderwägen, Männern mit Bärten und dem „unsterblichen Regiment“

Der neunte Mai, frühmorgens. Schwere Wolken hängen über der Stadt und haben sich vorsorglich die besten Plätze für die Militärparade gesichert. Ein weiterer Blick aus dem Fenster macht klar: Es wird einen Massenkampf der Schirme geben. Wenigstens wäscht der penetrante Dauerregen den beißenden Farbgeruch aus der Innenstadt. Wer im Frühling schon mal in Russland war, kennt die Szene: Überall werden Zäune, Spielplätze, Bänke und Laternenpfähle gestrichen. Schön über die dicke Schmutzschicht, unter der die Farbe vom letzten Jahr sowieso kaum noch zu erkennen ist. Echte Handarbeit mit Pinsel wurde inzwischen von praktischen Farbsprühgeräten abgelöst. Im häufig windigen Stavropol verteilt sich dabei der Sprühnebel sofort unter den vorbeieilenden Passanten; aber der Sprüher ist normalerweise ausdauern und ein Teil der Farbe landet schließlich doch an ihrem Bestimmungsort. Pünktlich zum 9. Mai glänzt die Stadt. Dieses Jahr nur leider nicht im Sonnenlicht.

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Teil 1: Mai in Stavropol oder Zwischen Schaschlyki, Sonnenblumenkernen und Pizza

Mai in Stavropol. Tief durchatmen, denn über die Feiertage hat die Menge der Autos auf den Straßen unerwartet abgenommen. Kurz innehalten und dem Zwitschern der Vögel lauschen und beim Blick in die Bäume feststellen, dass das zarthelle Grün das Sonnenlicht besonders schön reflektiert. Bei plötzlich fast 30 Grad fühlt sich die dünne Kleidung auf der Haut ungewohnt leicht und befreiend an. Überall blühen Tulpen in den öffentlichen Grünanlagen und die Springbrunnen haben ihren perligen Wassertanz begonnen.

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